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Textproben

Aus “Auf der Suche” von Anna-Lisa Büchter

Alex schlug die Augen auf, als der Wecker nun zum dritten Mal klingelte, im Prinzip wurde die angenehme Stille zum dritten Mal von einem grässlichen Piepsen zerrissen. Das Aufstehen an sich war für Alex eine mühselige Angelegenheit, vor allem, wenn er am Vorabend mit seinem Kumpel Sören im „Café Affenkopf“ zu tief ins Glas geschaut hatte. Sie hatten sich eben vorgenommen, die gesamte Schnaps- und Cocktailkarte auszutesten, bei jedem Besuch zwei bis drei Spirituosen, die sich noch halbwegs vertrugen. Nach Alex Kopfschmerzen zu urteilen, war ihnen Letzteres am Vorabend nicht gelungen.

Während sich eine Aspirintablette nicht so recht auflösen wollte, betrachtete Alex die beiden Pflanzen, die schon länger auf der Küchenfensterbank vor sich hin vegetierten. Erstaunlicherweise reichte es nicht aus, das Gießen einfach zu vergessen. Diese zwei, eine Yukkapalme und einen Kaktus, musste Alex offenbar auseinander nehmen, wenn er sie loswerden wollte. Allerdings fürchtete er, der Kaktus würde in der grauen Tonne zu irgendetwas Merkwürdigem mutieren und seine Nachbarn angreifen.

 

Aus “Ein weiter Weg” von Pia Schmidt

Stillgestanden!“ Ein Gewusel und Gerücke – dann erkannte man, dass sich die Soldaten links und rechts zu einer Gasse aufstellten. Ich versuchte mein Lachen zu unterdrücken. Glücklicherweise gelang es mir, mich zu beherrschen. Ein General trat vor und bedeutete uns ihm zu folgen. „Das sind unsere Sanitäter“, stellte er uns mit polternder Stimme vor. „Sie begleiten jeden Einsatz. Ihre Befehle gelten wie die eines Generals und versucht zu helfen, wenn sie mehr als sechs Hände benötigen“, befahl dieser sehr korpulente General. Mir fiel auf, dass es ziemlich viele Soldaten waren, denen wir zugeteilt worden waren. „Also: Sie sind?“ Der General sah Tobi fragend an. „Tobi, und das sind Dean und Sue.“ In Gedanken dankte ich Tobi, dass er uns beide gleich mit vorgestellt hatte. Ich hätte keinen Ton herausgebracht. „Gut, Ihre Betten sind in der Mitte, neben dem gelben Schrank. Und Sue, bitte kommen Sie kurz mit.“ Ich folgte dem General in einen kleinen, mit Planen abgehängten Raum. „Es tut mir leid, dass Sie kein Einzelzimmer bekommen konnten. Ich hoffe, es macht Ihnen nichts aus, zwischen all den Männern zu schlafen?“, fragte er mich schuldbewusst. „Nein, aber gibt es überhaupt keine Frau hier?“ Ich konnte es nicht glauben. „Nein, leider nicht. Für Frauen scheint diese Art von Arbeit nicht das Richtige zu sein.“ Ich lächelte, verließ den Raum und gesellte mich zu Tobi und Dean, die bereits ihr Bett bezogen hatten. „Und was wollte das Chefelchen von dir?“, wollten sie wissen. „Dass ich mich nackt ausziehe und schreie: ‚Scheiß Deutsche!‘“ Sie lachten. „Nein, er wollte fragen, ob es okay sei, dass ich hier penne.“ „Und ich hoffe, du hast gesagt, dass du auf ein Einzelzimmer bestehst“, meldete sich einer der umstehenden Soldaten zu Wort. „Warum? Ich bin doch perfekt zwischen euch aufgehoben, und wenn ihr mir an die Wäsche geht, weiß ich mich zu wehren. Aber besser wäre es, mir vorher zu sagen, dass ihr was braucht.“ Nun lachte die ganze Truppe und Tobi stieß mir den Ellenbogen in die Rippen. „Schon gut, ich hab nicht vor, mit einem von hier was anzufangen“, antwortete ich auf Deans skeptischen Gesichtsausdruck.

 

Joshua Meis

Das Schwert in der Stille

Das Schwert in der Stille
wie reglos es liegt,
erstarrt von dem Frieden,
verstummt ist sein Lied.
Gepackt von einer starken Hand,
gegurtet durch das seidene Band.
Nun weiß es, dass der Krieg ist gekommen
und seine Zeit hat endlich begonnen
Auf dem Schlachtfeld erwacht es
aus seinem Schlafe
und singt sein Lied
gleich der goldenen Harfe
Das Schwert in der Stille
wie reglos es liegt.
Der Krieg ist vorbei,
sowie sein Lied.
Dort wird es ruhen,
bis der Friede vorbei.
Das ist die Seele
des Samurai.

 

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